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(rsn) Nach den ersten Kilometern eines Werks-Silberpfeils
seit 55 Jahren sieht Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug sein
Team auf einem guten Weg. Den Fahrplan, um zu den bei den
ersten Tests in Valencia scheinbar dominanten Ferrari
aufzuschließen, hat "Superhirn" Ross Brawn schon im Kopf und will
ihn mit der großen Erfahrung des in die Formel 1 zurückgekehrten
Rekordweltmeisters Michael Schumacher einhalten.
"Es gibt geplante Entwicklungsschritte, der nächste wird für
die Testfahrten nächste Woche in Jerez umgesetzt - business as
usual, wie in jedem Jahr mit jedem neuen Formel-1-Auto, nichts
Ungewöhnliches", sagte Haug mit Blick auf die zweite Testrunde ab
dem kommenden Mittwoch. Mehr als 1100 Testkilometer bezeichnete
Haug als "sehr erfreulichen Auftakt".
"Ich denke, unsere Zeiten unter Rennbedingungen sahen nicht
schlecht aus. Aber klar ist, dass wir uns heute nicht in der Rolle des
Dauersiegers von morgen sehen - und auch ganz bewusst nicht
sehen wollen", sagte er. Schumacher hatte erklärt, dass es nicht
wichtig sei, gleich die ersten Rennen zu gewinnen. Mit Zuverlässigkeit
zunächst gut punkten, dann später in der Saison siegen - so sieht
die WM-Rechnung des 41-Jährigen aus.
Auch Teamchef Brawn, der Schumacher zu sieben WM-Titeln führte
und im vorigen Jahr mit seinem eigenen Team, dem Vorgänger des
Mercedes-Werksteams, Fahrer- und Konstrukteursweltmeister war,
bezeichnete die ersten Runden von Schumacher und Nico Rosberg als
"extrem nützlich". "Es ist immer schwierig, so früh schon das Tempo
einzuschätzen. Aber wir scheinen in einer annehmbaren Position zu
sein. Das Auto verhält sich ziemlich so, wie wir es erwartet
hatten, mit einigen kleineren Ansatzpunkten, die man immer bei den
ersten Tests hat."
Unter anderem handelte es sich dabei um Probleme mit der
Balance des Silberpfeils. "Wir haben die Bereiche identifiziert, in
denen wir Verbesserungen vornehmen können, und die werden für Jerez
in der nächsten Woche fertig sein", sagte Brawn.
Für mehr Aufsehen als das Auto sorgte in Valencia allerdings
Schumacher selbst, der fast bei jedem Schritt von Fotografen und
Fernsehkameras verfolgt wurde. "Das Interesse der Medien an unserem
neuen Silberpfeil-Werksteam und an Michael Schumachers Comeback war
nach der Winterpause extrem hoch", meinte Haug: "Es gab eine
umfangreichere Berichtersattung denn je in TV, Zeitungen, Radio und
auf den Websites, und das hat uns natürlich gefreut."
Zumal Schumacher sich laut Haug im Team "auf Anhieb zuhause
gefühlt" habe. "Er arbeitet systematisch, konzentriert und
hochmotiviert - seine absolute Weltklasse kommt nicht von
ungefähr", erklärte der Schwabe, der aber auch Schumachers
Teamkollegen Rosberg "sehr gute Arbeit" bescheinigte. "Wir haben
zwei erstklassige Fahrer und müssen ihnen ein erstklassiges Auto
geben, dann werden sie sehr erfolgreich sein", meinte Haug.
Zu diesem Duo stößt jetzt als dritter Mann in der deutschen
Formel-1-Nationalmannschaft noch der Mönchengladbacher Nick
Heidfeld, den Mercedes am Donnerstag als Ersatzfahrer bestätigte.
"Nick hat viel Erfahrung aus zehn Jahren Formel 1 und großes
Talent, beides wird er in unser Team einbringen", sagte Haug über
"Quick Nick": "Sollte der unwahrscheinliche Fall der Fälle
eintreten und einer unserer Stammfahrer für ein Rennen ersetzt
werden müssen, ist Nick bestens gerüstet, sofort einen guten Job zu
machen."
Ob sich Heidfeld noch vor Saisonstart, nach dem weitere
Testfahrten nicht mehr erlaubt sind, allerdings noch selbst mit dem
Silberpfeil vertraut machen kann, ist angesicht von nur zwölf
weiteren Testtagen offen. "Derzeit ist geplant, Michael und Nico
vor der Saison so viele Testkilometer wie möglich zu geben", sagte
Haug.
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