Donnerstag, 09.09.2010

 




 

29.07.2010

   
 

Massa besucht seine Lebensretter

   
       
 

© MP-Sport.de (rsn) Der erste Weg nach der Rückkehr an den Ort seines schlimmsten Albtraums führte Felipe Massa zu seinen Lebensrettern. Schnurstracks suchte der Brasilianer am Donnerstag in Budapest den Weg ins Medical Center des Hungarorings.

"Ich bin zu den Menschen gegangen, die mir aus dem Auto geholfen haben. Sie haben damals das Größte für mich getan, was einem Menschen passieren kann", sagte der Ferrari-Pilot, den aktuell schon wieder ganz andere Sorgen plagen. Wäre alles sportlich fair abgelaufen, wäre er nämlich als strahlender Hockenheim-Sieger an die Stelle seines verheerenden Unfalls im Vorjahr zurückgekehrt. Nach dem Teamorder-Skandal um Ferrari scheint aber klar: Der Brasilianer, der nach seinem schweren Unfall im Vorjahr ohnehin mit gemischten Fühlen an den Hungaroring nach Budapest kommt, wird im dritten Jahr in Folge zur tragischen Figur der Formel 1.

2008 ließ er sich im Ziel von Sao Paulo 39 Sekunden lang als Weltmeister feiern, ehe ihm Lewis Hamilton den Titel entriss. 2009 kostete ihn der Unfall in Ungarn fast das Leben. Nun ist der Brasilianer der Fahrer, der schneller war, als er sein durfte und so unfreiwillig den Teamorder-Skandal ins Rollen brachte.

In der Heimat musste Massa seitdem harrsche Kritik einstecken. Vor allem die der Fans, die ihn in Internetforen als "Vaterlandsverräter" oder "ewiger Verlierer" beschimpfen, machen ihm zu schaffen. "Wer so etwas sagt, hat keine Ahnung", sagte er traurig: "Ich tue alles für mein Land, es ist für mich das Wichtigste in meinem Leben."

Sein Landsmann Rubens Barrichello, der 2002 eine ähnliche Situation bei Ferrari erlebte, als er Michael Schumacher den Vortritt lassen musste, zeigte Mitleid. "Felipe fühlt sich genauso wie ich mich gefühlt habe", sagte er: "Er ist ein Freund, und es tut mir leid, dass er diese Erfahrung machen musste."

Richtig machen konnte es Massa in dieser Situation nicht, und auch das zeigt seine Tragik. Hätte er sich geweigert, dem im Titelkampf aussichtsreicheren Fernando Alonso auf dem Hockenheimring den Sieg zu überlassen, hätte er Ärger mit dem Team riskiert. So gilt er als Betrüger, als zu weich, als Nummer zwei ohne Rechte.

Doch der Stolz, der ihm geblieben ist, war es vielleicht, der den Skandal überhaupt erst augenscheinlich machte. Die Funksprüche und Massas fast schon demonstratives Abbremsen machten die Absprache für alle Welt erkennbar. Sky-Experte Surer fordert Punktabzug für Ferrari, aber Straffreiheit für Massa: "Er wurde gezwungen." Der Brasilianer selbst erklärte lapidar: "Ich habe getan, was ich tun musste."

Weiteren Fragen wich er immer wieder aus. "Sie versuchen, mir Worte in den Mund zu legen", sagte er: "Aber alles, was ich sagen kann, ist dass ich fahre, um zu gewinnen." Der Tag, an dem er nur noch eine offizielle Nummer zwei im Team wäre, "wäre der Tag, an dem ich aufhören würde zu fahren".

Hätte Massa in Hockenheim gewinnen dürfen, wäre es auf den Tag genau ein Jahr danach sein erster Triumph nach dem schlimmen Unfall von Budapest gewesen. Mit der Wucht von mehr als einer Tonne war dort am 25. Juni 2009 eine Stahlfeder gegen seinen Kopf geknallt. Massa war auf der Stelle bewusstlos und raste in einen Reifenstapel. Sein Leben hing kurzzeitig am seidenen Faden, zwischenzeitlich lag er im künstlichen Koma.

Ehefrau Raffaela, damals schwanger mit dem am 1. Dezember geborenen Felipinho, wollte ihren Mann zum Karriereende bewegen. "Ich hatte einen kleinen Streit mit ihr, denn sie wollte nicht, dass ich fahre", sagte der Vize-Weltmeister von 2008: "Aber ich habe ihr gesagt, das bespreche ich mit den Ärzten und nicht mit dir."



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