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(rsn) Der erste Weg nach der Rückkehr an
den Ort seines schlimmsten Albtraums führte Felipe
Massa zu seinen Lebensrettern. Schnurstracks suchte
der Brasilianer am Donnerstag in Budapest den Weg
ins Medical Center des Hungarorings.
"Ich bin zu den Menschen gegangen, die mir aus dem
Auto geholfen haben. Sie haben damals das Größte für
mich getan, was einem Menschen passieren kann",
sagte der Ferrari-Pilot, den aktuell schon wieder ganz
andere Sorgen plagen. Wäre alles sportlich fair abgelaufen,
wäre er nämlich als strahlender Hockenheim-Sieger an
die Stelle seines verheerenden Unfalls im Vorjahr
zurückgekehrt. Nach dem Teamorder-Skandal um
Ferrari scheint aber klar: Der Brasilianer, der nach
seinem schweren Unfall im Vorjahr ohnehin mit
gemischten Fühlen an den Hungaroring nach Budapest
kommt, wird im dritten Jahr in Folge zur tragischen
Figur der Formel 1.
2008 ließ er sich im Ziel von Sao Paulo 39 Sekunden
lang als Weltmeister feiern, ehe ihm Lewis Hamilton
den Titel entriss. 2009 kostete ihn der Unfall in Ungarn
fast das Leben. Nun ist der Brasilianer der Fahrer, der
schneller war, als er sein durfte und so unfreiwillig den
Teamorder-Skandal ins Rollen brachte.
In der Heimat musste Massa seitdem harrsche Kritik
einstecken. Vor allem die der Fans, die ihn in Internetforen
als "Vaterlandsverräter" oder "ewiger Verlierer" beschimpfen,
machen ihm zu schaffen. "Wer so etwas sagt, hat keine
Ahnung", sagte er traurig: "Ich tue alles für mein Land,
es ist für mich das Wichtigste in meinem Leben."
Sein Landsmann Rubens Barrichello, der 2002 eine
ähnliche Situation bei Ferrari erlebte, als er Michael
Schumacher den Vortritt lassen musste, zeigte Mitleid.
"Felipe fühlt sich genauso wie ich mich gefühlt habe",
sagte er: "Er ist ein Freund, und es tut mir leid, dass
er diese Erfahrung machen musste."
Richtig machen konnte es Massa in dieser Situation
nicht, und auch das zeigt seine Tragik. Hätte er sich
geweigert, dem im Titelkampf aussichtsreicheren
Fernando Alonso auf dem Hockenheimring den Sieg
zu überlassen, hätte er Ärger mit dem Team riskiert.
So gilt er als Betrüger, als zu weich, als Nummer
zwei ohne Rechte.
Doch der Stolz, der ihm geblieben ist, war es vielleicht,
der den Skandal überhaupt erst augenscheinlich machte.
Die Funksprüche und Massas fast schon demonstratives
Abbremsen machten die Absprache für alle Welt
erkennbar. Sky-Experte Surer fordert Punktabzug für
Ferrari, aber Straffreiheit für Massa: "Er wurde
gezwungen." Der Brasilianer selbst erklärte lapidar:
"Ich habe getan, was ich tun musste."
Weiteren Fragen wich er immer wieder aus. "Sie
versuchen, mir Worte in den Mund zu legen", sagte
er: "Aber alles, was ich sagen kann, ist dass ich
fahre, um zu gewinnen." Der Tag, an dem er nur
noch eine offizielle Nummer zwei im Team wäre,
"wäre der Tag, an dem ich aufhören würde zu fahren".
Hätte Massa in Hockenheim gewinnen dürfen, wäre
es auf den Tag genau ein Jahr danach sein erster
Triumph nach dem schlimmen Unfall von Budapest
gewesen. Mit der Wucht von mehr als einer Tonne
war dort am 25. Juni 2009 eine Stahlfeder gegen
seinen Kopf geknallt. Massa war auf der Stelle
bewusstlos und raste in einen Reifenstapel. Sein
Leben hing kurzzeitig am seidenen Faden,
zwischenzeitlich lag er im künstlichen Koma.
Ehefrau Raffaela, damals schwanger mit dem am
1. Dezember geborenen Felipinho, wollte ihren Mann
zum Karriereende bewegen. "Ich hatte einen kleinen
Streit mit ihr, denn sie wollte nicht, dass ich fahre",
sagte der Vize-Weltmeister von 2008: "Aber ich
habe ihr gesagt, das bespreche ich mit den Ärzten
und nicht mit dir."
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